Nachhaltigkeit studieren an der HNEE

„Wir zeigen Ihnen, wie Sie Change Agent für Nachhaltigkeit werden können“

Auf JOBVERDE.DE, der grünen Jobbörse im Internet, ist vor Kurzem ein Interview mit Prof. Dr. Benjamin Nölting zum Thema „Nachhaltigkeit studieren“ veröffentlicht worden.

Als Studiengangsleiter des „Strategischen Nachhaltigkeitsmanagements“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde ging Prof. Dr. Benjamin Nölting auf die verschiedenen Studiengänge der Hochschule ein, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen und erklärte die Zusammenarbeit mit Unternehmen sowie die Forschungsschwerpunkte an der HNEE.

Benjamin NöltingMenschen, die etwas verändern möchten, können beispielsweise ein Studium zum Thema Nachhaltigkeit absolvieren. Mit dem erlangten Wissen sind sie in der Lage ihr Know-how und ihre Ideen in der Wirtschaft oder bei NGOs einzubringen. Die HNE in Eberswalde bietet genau das. Eine kleine Hochschule, jedoch mit langer Tradition.

JOBVERDE: Herr Nölting, was gibt es Neues an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde?

Prof. Dr. Benjamin Nölting: Wir sind mit 2.100 Studierenden und 50 Professor*innen eine kleine Hochschule mit langer Tradition. Bereits 1830 wurde sie als Forstakademie vor den Toren Berlins gegründet und der „grüne Faden“ gelegt. Seit 2010 heißen wir Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und haben unser Profil konsequent weiterentwickelt. Heute sind wir unter den deutschen Hochschulen Vorreiter bei nachhaltiger Entwicklung. Obwohl wir klein sind und wenige Ressourcen haben, sind wir eine quicklebendige Hochschule. Das liegt am großen Engagement aller Hochschulangehörigen, von den Studierenden über die Lehrenden bis hin zur Verwaltung, alles Überzeugungstäter*innen. Dazu zwei aktuelle Beispiele:

Erstens haben wir im Sommer 2016 eine Transferstrategie verabschiedet. Auf der Basis unserer Grundsätze für nachhaltige Entwicklung wollen wir den Ideen- und Wissenstransfer für nachhaltige Entwicklung weiter stärken und systematisieren. Wir verstehen Transfer als einen wechselseitigen, partnerschaftlichen Austausch, der alle Formen der Kooperationsbeziehungen zwischen der Hochschule und ihren externen Partner*innen in Lehre und Forschung – sowie darüber hinaus – umfasst.

Zweitens ist unser Präsident Herr Prof. Vahrson vom CHE Centrum für Hochschulentwicklung und der Wochenzeitung Die Zeit mit fünf weiteren Kandidat*innen als „Hochschulmanager des Jahres“ nominiert worden. Dass eine so kleine Hochschule überhaupt in den Blick genommen wird, zeigt, dass wir auf ein wichtiges Thema setzen und alle an einem Strang ziehen.

Welche Bachelor- und Masterstudiengänge zum Thema Nachhaltigkeit bieten Sie derzeit an?

Die HNEE bietet 17 Studiengänge an. Nachhaltigkeit ist als Querschnittsthema in der Lehre verankert und wird fachspezifisch in den Studiengängen gelernt. Etliche Studiengänge haben Nachhaltigkeit explizit im Programm und teilweise auch im Namen, z.B. Ökolandbau und Vermarktung (B.Sc.), Landschaftsnutzung und Naturschutz (B.Sc.), Global Change Management (M.Sc.), Nachhaltiges Tourismusmanagement (M.A.) oder Nachhaltige Unternehmensführung (M.A.).

Ich leite den berufsbegleitenden Master „Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement“ (M.A.). Dort lernen und trainieren die Teilnehmer*innen, Veränderungsprozesse in Unternehmen und Non-Profitorganisationen zu mehr Nachhaltigkeit anzustoßen, passgenaue Nachhaltigkeitsstrategien zu konzipieren und die Veränderungsprozesse zu begleiten. Die Absolvent*innen können mithelfen, ihre Organisationen neu zu positionieren, um deren Handlungsfähigkeit langfristig zu erhalten und sie zum Vorreiter einer nachhaltigen Entwicklung zu machen. Kurz: Wir bilden Change Agents für nachhaltige Entwicklung aus.

Welche Interessen sollte Studienanwärter*innen auf den Studiengang mitbringen?

Wichtig ist, dass sie das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in irgendeiner Form sinnvoll finden, beispielsweise um sich damit beruflich zu profilieren. So vermitteln wir beim „Strategischen Nachhaltigkeitsmanagement“ Gestaltungskompetenz für nachhaltige Entwicklung. Das geht weit über Fach- und Methodenwissen hinaus. Die Studierenden haben dazu ein Kompetenzprofil für Nachhaltigkeitsmanager*innen entwickelt. Angesichts von gut klingenden Eigenschaften wie Flexibilität und Führungsstärke tauchte die Frage auf, wodurch sich Nachhaltigkeitsmanager*innen von einem Mafiaboss unterscheiden. Das hat viel mit der persönlichen Werthaltung und Glaubwürdigkeit zu tun. Dabei geht es um Transparenz, kollektive Führung und ethische Reflexion. Wenn Sie beispielsweise als Change Agent einen Veränderungsprozess anstoßen, dann ruft das häufig Ängste und Abwehrreaktionen hervor. Damit müssen sie konstruktiv umgehen und auf die Menschen zugehen können. Konflikte sind dabei unvermeidlich. Wir trainiere mit den Teilnehmer*innen, wie sie Konflikte konstruktiv wenden können, denn dabei kommen verschiedene Sichtweisen auf den Tisch, die häufig schon erste Lösungsansätze beinhalten.

Wer sind die Teilnehmer*innen beim „Strategischen Nachhaltigkeitsmanagement“? Was ist ihre Motivation? Und wohin verschlägt es die Absolvent*innen?

Die Teilnehmer*innen sind berufstätige Fach- und (künftige) Führungskräfte in Unternehmen und Non-Profit-Organisationen. Sie kommen aus ganz Deutschland und haben einen sehr unterschiedlichen Berufshintergrund – von großen Industrieunternehmen über Mittelständler bis hin zu kleinen Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen wie Energieversorgung, Automobil, Chemie, Digitalisierung/Internet, Biolebensmittel, Bekleidung, Tourismus oder Banken. Weiterhin kommen Selbständige, Mitarbeiter*innen aus Verwaltungen, von NGOs und aus dem Wissenschaftsbereich.

Wir können ganz grob zwei Motivationen unterscheiden. Beim Typ „Nachhaltigkeitskarriere“ ist das Berufsprofil bereits klar auf Nachhaltigkeitsmanagement und verwandte Bereiche ausgerichtet. Diese Teilnehmer*innen belegen die Kurse für den fachlichen Schliff und zur Vertiefung der Grundlagen, um damit beruflich weiterzukommen. Der Typ „Weltverbesserer“ hat häufig schon längere Berufserfahrung und fragt sich, ob die Tätigkeit in die richtige Richtung geht. Im Weiterbildungsangebot lernen sie, wie sie ihr Fachwissen für eine wichtige und sinnvolle Tätigkeit fruchtbar machen können.

Wie funktioniert an der HNEE die Zusammenarbeit mit Unternehmen? Pflegen Sie regelmäßigen Kontakt zu nachhaltigen Unternehmen, und haben es Ihre Studierenden leicht, Kontakt mit Unternehmen aufzubauen?

Vorweg: Wir arbeiten mit allen gesellschaftlichen Akteur*innen zusammen, die nachhaltige Entwicklung voranbringen (wollen). Das können Unternehmen sein, die schon nachhaltig sind oder sich auf den Weg machen, aber auch Organisationen aus dem Non-Profitbereich wie staatliche Einrichtungen, Kommunen und Verwaltungen oder zivilgesellschaftliche Organisationen wie Verbände und Stiftungen.

Beim berufsbegleitenden Master „Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement“ arbeiten wir sehr eng mit einem hochkarätigen Praxisbeirat mit Nachhaltigkeitsprofis aus Wirtschaft (memo, Otto Group, Tchibo), Wissenschaft (Wuppertal Institut, TU Berlin, ecologic), Verwaltung (Landkreis Barnim) und Verbänden (Deutsche Umwelthilfe, NABU, Deutsche Umweltstiftung, UnternehmensGrün) zusammen. Der Praxisbeirat hat das Studiengangskonzept mit konzipiert. Zahlreiche Beiratsmitglieder engagieren sich in der Lehre. Für jedes Modul gibt es eine geteilte Verantwortung mit je einer Person aus der Wissenschaft und der Praxis. So wird sichergestellt, dass die Ausbildung dem Bedarf aus der Praxis gerecht wird.

Um einen hohen Problemlösungsbezug sicherzustellen, stehen Themen und Fragen aus dem Berufsalltag der Studierenden im Mittelpunkt. Die Präsenzphasen sind als Ideenlabor konzipiert, in dem die Teilnehmer*innen gemeinsam mit den Nachhaltigkeitsprofis aus Wissenschaft und Praxis Lösungsansätze für die Fragen entwickeln. Da gibt es einen ganz direkten Zugang zu den Unternehmen und Organisationen, von dem alle Seiten profitieren. Durch diese Zusammenarbeit erhalten Studierende, Praxisverterter*innen und Wissenschaftler*innen ganz neue Einblicke und werden mit kreativen Lösungen und Impulsen für die eigene Arbeit belohnt.

Das Thema Forschung wird an der HNEE groß geschrieben. Welche Forschungsschwerpunkte haben Sie?

Die HNEE hat zwei Forschungsschwerpunkte: „Nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums“ und „Nachhaltige Produktion und Nutzung von Naturstoffen“. In den Forschungsprojekten werden gezielt Impulse aus der Praxis aufgenommen. Geforscht wird lösungsorientiert und anwendungsbezogen zu nachhaltiger Entwicklung. Bei komplexen Forschungsansätzen wird – wo immer möglich – eine inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit gesucht. Die HNE Eberswalde ist eine der forschungsstärksten Hochschule (gemessen an der Drittmitteleinwerbung je Hochschullehrer).

Mein Schwerpunkt liegt in der Nachhaltigkeitsforschung. Eine Transformation in Richtung Nachhaltigkeit lässt sich nicht allein am grünen Tisch planen und „von oben“ steuern. Ich befasse mich daher mit Governance-Fragen. Dabei geht es darum, wie Akteur*innen, Steuerungsinstrumente und institutionelle Rahmenbedingungen miteinander koordiniert werden können. Damit daraus eine Nachhaltigkeitstransformation wird, muss vieles zusammenkommen. Aber auf regionaler Ebene kann man für einzelne Bereiche wie eine Energiewende, eine Agrar- und Ernährungswende oder Postwachstumsmodelle einiges ausprobieren.

Welche Events wird es bei Ihnen in den kommenden Monaten geben, die auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind?

Wer sich für das berufsbegleitenden Qualifizierungsangebot „Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement“ interessiert, kann sich für die regelmäßig stattfindenden Online-Informationsveranstaltungen bei uns anmelden (nachhaltigkeitsmanagement@hnee.de). Die nächsten Veranstaltungen finden am Mi., den 11. Januar 2017 und Do, den am 16. Februar 2017 jeweils um 19.00 Uhr statt.

Noch ein Hinweis für diejenigen, die sich für einzelne Zertifikatskurse interessieren, die flexibel gebucht werden können. Bei einer Anmeldung bis zum 31.12.2016 gibt es einen Frühbucherrabatt von 10 %.

Mehr über JOBVERDE sowie das Interview finden Sie hier.

 

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