Die Chemie-Branche und globale Nachhaltigkeitsziele

Die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ der chemisch-pharmazeutischen Industrie hat 40 Indikatoren entwickelt, um ihren Fortschritt in Sachen nachhaltiger Entwicklung messen zu können. Mit dem Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE) diskutierte Chemie³ darüber, welchen Beitrag die Branche zur Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDG) leisten kann.

Chemie3_Logo_dt_finalNachhaltigkeit ist messbar. Mit 40 Indikatoren, erarbeitet von der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland, lässt sich erstmals der Fortschritt nachhaltiger Entwicklung der Branche überprüfen. Die Indikatoren erfassen wirtschaftliche, ökologische und soziale Kriterien. Ihre Spannweite reicht von der Wettbewerbsfähigkeit der Chemie auf den globalen Märkten über den Ausstoß von Treibhausgasen bis hin zur Übernahmequote von Ausgebildeten.

Mit dem Start von Chemie³ im Mai 2013 hatten sich der Wirtschaftsverband VCI, die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC gemeinsam das Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit als Leitbild in der deutschen Chemiebranche zu verankern und ihre Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung auszubauen. Bei einer Veranstaltung im Dialog mit dem (RNE) im November 2016 in Berlin diskutierten die Ratsmitglieder Alexander Bassen, Alexander Müller, RNE-Generalsekretär Günther Bachmann und die Initiatoren von Chemie³ über mögliche Beiträge der deutschen Chemiebranche zur Umsetzung der SDGs.

Bachmann (RNE): „Nachhaltige Chemie ist weltweites Thema“

Günther Bachmann, Generalsekretär des RNE, wies in seiner Keynote auf die entscheidende Rolle des Dialoges für eine nachhaltige Entwicklung hin – vor allem dann, wenn Interessen und Perspektiven nicht ohnehin schon deckungsgleich sind. „Nachhaltige Chemie ist spätestens mit den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen der 2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung ein weltweites Thema“, so Bachmann. Deutschland sei in dieser Hinsicht auch ein Entwicklungsland. „Dass Chemie Lösungen zu vielen Sektoren dieser Nachhaltigkeitsziele beitragen kann und muss, steht außer Zweifel.“

Entscheidend sei aber das Ziel Nr. 12.4., so Bachmann, welches nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster in den Blick nimmt. „Es spricht den Kern von Verantwortung der Chemie an: ‘By 2020, achieve the environmentally sound management of chemicals and all wastes throughout their life cycle, in accordance with agreed international frameworks, and significantly reduce their release to air, water and soil in order to minimize their adverse impacts on human health and the environment’.”

RNE-Ratsmitglied Alexander Müller betonte: „Die globalen Nachhaltigkeitsziele sind äußerst ambitioniert und müssen Maßstab für politisches Handeln in allen Staaten werden. Bei der Umsetzung ist die Chemie aufgrund ihrer globalen Bedeutung, ihrer differenzierten Produkte und Lieferketten ein Kernpartner, der einen wichtigen Beitrag leisten kann und muss. Die erfolgreiche Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele wird auch für den wirtschaftlichen Erfolg der chemischen Industrie von entscheidender Bedeutung sein.“

Warnung vor dem Trump-Effekt

Gerade in der Chemie und Pharmazie brauche es nun freiwillige Arrangements zur Nachhaltigkeit, so RNE-Generalsekretär Bachmann. „Natürlich braucht es den Staat und die Rechtssetzung. Aber ebenso braucht es gerade unter Vorreitern schnelle und kooperative Vereinbarungen zu Nachhaltigkeitsstandards.“ Chemie³ sei hierfür ein gutes Beispiel, da sich in dieser Initiative Arbeitnehmer*innen, Arbeitgeber*innen und Chemieindustrie zusammengeschlossen haben.

„Wir wissen, dass man ökonomischen, sozialen und ökologischen Fortschritt nicht gegeneinander, sondern nur zusammen erreichen kann. Wer das immer noch nicht verstanden hat, sollte nach Amerika gucken. Wir machen Chemie³, weil wir keinen Trump-Effekt haben wollen“, sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE und ehemaliges Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung. Wesentliche Voraussetzung dafür seien Tarifverträge und Mitbestimmung. Vassiliadis: „Dass sich Wirtschaft, Arbeitgeber und Gewerkschaft in dieser Eindeutigkeit bekennen, ist ein wichtiges Signal über unsere Branche hinaus.“

Alexander Bassen, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung und Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg verwies in seinem Diskussionsbeitrag noch einmal auf den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Erfolg: „In absehbarer Zeit wird der Druck des Kapitalmarkts die Beziehung zwischen wirtschaftlichem Handeln und den Sustainable Development Goals schärfen. Bereits heute zeigt sich, dass es zwischen nachhaltiger Unternehmensführung und finanziellem Unternehmenserfolg einen positiven Zusammenhang gibt.“

Auch das Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement hat sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen und Organisationen bei einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Entwicklung zu unterstützen. Die ganzheitliche Betrachtung, Analyse und Verankerung sozialer, ökonomischer und ökologischer Aspekte in der beruflichen Praxis sind die Kernpunkte eines guten Nachhaltigkeitsmanagements.

Den Originalbeitrag sowie weitere Informationen des RNE finden Sie hier.

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