Nachhaltiges Unternehmenshandeln durch Widerspruchsmanagement

Beitrag von Simone Gruber:

snm-m7-2016-07-22-009Das Thema meiner Masterarbeit Widerspruchsmanagement als Prüfstein und Steuerungsansatz für nachhaltiges Unternehmenshandeln: Fallstudien zu Schweizer Grossunternehmen“ hat mich im Rahmen 3rd Responsible Management Education Research Conference „Responsible Management 2030 – Linking the Sustainable Development Goals and Management Education at Universities“ – vom 9./10. November 2016 an die österreichische Fachhochschule für angewandte Wissenschaften Krems an der Donau geführt. Mit der erfolgreichen Eingabe meine Abstracts wurde ich eingeladen, meine Masterarbeit in einer der vier Parallel-Sessions zum Schwerpunktthema „Business and UN global Compact“ in Form einer Präsentation vorzustellen.

Der Fokus meiner Masterarbeit lag darauf, zu prüfen, ob und inwiefern Unternehmen mit einer robusten Nachhaltigkeitspositionierung, sich mit widerstreitenden ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeitsherausforderungen auseinandersetzen, eine konstruktiven Umgang mit Widersprüchen haben und damit die eigene Zukunftsfähigkeit sicherstellen. Analysiert wurden die neun Schweizer Grosskonzerne Schweizer Bundesbahn, Schweizerische Post, Swisscom, Migros, Coop, Ikea, Zürcher Kantonalbank, Zürich Versicherung und SwissRe. Die Untersuchung hat gezeigt, dass sämtliche Konzerne sich in einem dilemmatischen Spannungsfeld zwischen der rein-ökonomisch orientierte Effizienzperspektive und der ressourcenorientierten Nachhaltigkeitsperspektive bewegen, allerdings die Wahrnehmung und Anerkennung für Widersprüchlichkeiten sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Zudem hat sich gezeigt, dass bei sämtlichen Unternehmen die Integration der Nachhaltigkeitsherausforderungen auf einer institutionellen Ebene (z.B. Nachhaltigkeitsabteilung) und einer instrumentellen Ebene (z.B. Umweltmanagementsystem ISO 14001) umfassend sichergestellt ist. Nichtsdestotrotz wird im Entscheidungskontext in der Regel zu Gunsten der rein-ökonomisch orientierten Effizienzperspektive entschieden. Dies ist auch eine der Hauptursachen dafür, dass sich global gesehen eine regenerative Wirtschaftsweise noch nicht etabliert hat. Salopp könnte man sagen: „Die Unternehmen machen weiter wie bisher, aber nur etwas effizienter“. Dieses Ergebnis zeigt auch, dass hochentwickelte Nachhaltigkeitsmanagementsysteme an ihre Grenzen kommen. Dennoch gilt es zu betonen, dass es auch gute Beispiele gibt. Die Untersuchung meiner Masterarbeit hat ergeben, dass der Lebensmittelkonzern Migros durchaus ein hohes Bewusstsein für Widersprüche im Organisationskontext hat und diese auf eine konstruktive Weise bewältigt. Insgesamt sind die untersuchten Unternehmen gefordert, die widersprüchlichen Prämissen – Effizienz und Nachhaltigkeit – stärker in Balance zu bringen, um die Ressourcenbasis zu erhalten und eine langfristig regenerative Wirtschaftsweise zu etablieren. Es gilt das Widerspruchsmanagement als integrativen Bestandteil des betrieblichen Nachhaltigkeitsmanagement stärker zu operationalisieren und entsprechende Instrumente für Unternehmen zu entwickeln.

Mit dem guten Beispiel Migros komme ich wieder zum Thema „Responsible Management 2030“ und der Frage, wie kann verantwortungsvolles Entscheiden und Handeln zu Gunsten der Nachhaltigkeitsperspektive in Unternehmen gefördert und stärker operationalisiert werden. Ein zentraler Handlungsansatz ist sicher die entsprechenden Kompetenzen (Sustainable Leadership) bereits im Aus- und Weiterbildungskontext zu entwickeln. Diese Frage stand auch im Zentrum der internationalen Forschungskonferenz an der Fachhochschule in Krems: Wie kann das Bewusstsein und die Integration der SDGs – den Sustainable Development Goals – in die Curricula von Managementausbildungen und Business Schools verbessert und weiter vorangetrieben werden kann.

Ich für meinen Teil, habe im Rahmen der Konferenz wichtige Erfahrungen gesammelt, neue Impulse erhalten und spannende Kontakte geknüpft. So wurde ich vom Leiter des Zentrums für wirtschaftspolitische Forschung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur (Kanton Graubünden, Schweiz) eingeladen, meine Masterarbeit und das Thema Widerspruchsmanagement im Rahmen der Vorlesung im Bachelorstudiengang Betriebsökonomie vorzustellen.

Die Folien zu meinem Vortrag finden Sie hier.

 

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