Einblick in Modul 3: Jonas Lackmann berichtet von seinem Nachhaltigkeitsprojekt

Jonas Lackmann ist im 2. Semester des Weiterbildungsmasters „Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement“. Nach einer Projektdefinition im 1. Semester (Modul 3a) erfolgte nun das Erstellen eines Managementplans (Modul 3b). Im nächsten Semester wird das Projekt realisiert und abgeschlossen (Modul 3c).

Jonas Lackmann nimmt seit März 2017 am Masterstudiengang „Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement“ teil. Ihm fehlte der Nachhaltigkeitsbezug bei seinem bisherigen beruflichen Schaffen. Um das zu ändern, kündigte er, zog nach Berlin und nahm das Studium an der HNE Eberswalde auf. Wir haben ihn getroffen und zu seinen Erfahrungen im Studium und zu seinem Nachhaltigkeitsprojekt befragt.

Im Modul 3 „Nachhaltigkeitsprojekt – Von der Idee zur Umsetzung“  wird über 3 Semester hinweg ein Projekt entwickelt und mit Kooperationspartnern praktisch umgesetzt. Das Ziel seines Nachhaltigkeitprojekts ist die Bio-Umstellung zweier alkoholfreier Ingwerlimonaden der Ände GmbH, zu deren Team er mittlerweile gehört. 

Wie kamst du zu deinem Projekt-Praxispartner Ände GmbH und wie wird sich die Zusammenarbeit in Zukunft gestalten? 
Der Ablauf des Moduls ist normalerweise so, dass erst das Projekt steht und dann ein Partner gesucht wird. Ich bin das Ganze andersherum angegangen. Ich wusste aufgrund meiner bisherigen Berufserfahrungen, dass ich nicht mit einem Konzern zusammenarbeiten wollte. Deswegen legte ich meinen Fokus bei der Partnersuche schnell auf Start-ups. Zur zusätzlichen Eingrenzung wählte ich die Themen „gesunde Ernährung“ und „Bio-Lebensmittel“, die mich bereits seit langem beschäftigen. Also schrieb ich Lebensmittel-Start ups in Berlin an und fragte, ob sie eine Idee für ein gemeinsames Projekt hätten. So stieß ich auf Ände GmbH.  Ände ist ein Start-up aus Spandau, das zwei Ginger Beers (alkohlfreie Ingwerlimonaden) an den Start gebracht hat. Die Bio-Umstellung dieser Getränke war dem Gründer-Duo Andrea Stenz und Dominik Seele schon seit Beginn ein Anliegen, so wurde schnell ein gemeinsamer Nenner gefunden. Das gemeinsame Projekt heißt „Der Wandel zum Bioprodukt“. Dafür mussten zunächst die Inhaltsstoffe in Bioqualität beschafft und die aktuelle Rezeptur angepasst werden. Der Abfüller sowie der Projektpartner benötigen die Ökozertifizierung für die Herstellung und den Vertrieb der Bio-Produkte. Ab März wird nun erstmals in Bioqualität produziert. Nach erfolgreicher Abfüllung liegt der Fokus des Projekts auf der Bio-Markteinführung.
Seit Februar gehöre ich ebenfalls offiziell zum Team. Im letzten Jahr hat Ände GmbH 2 Gründer-Auszeichnungen für ihre Ingwerlimonaden gewonnen. Nun möchten sie neue Märkte ausstatten um alle Ingwerliebhaber im Lande zu erreichen und brauchen deswegen auch über die Bio-Umstellung hinaus Unterstützung. Da kam ich genau richtig. Meine Jobbezeichnung ist „Nachhaltigkeit und Entwicklung“. Hierauf liegt mein Fokus, aber wie das beim kleinen Start-ups so üblich ist, wird es nicht ausbleiben, auch in alle anderen Bereichen mit anzupacken. Auch auf diese Vielseitigkeit freue ich mich

Dieses Poster zum Ablauf des Projektes ist im Rahmen des Moduls M3b entstanden.

Welche Chancen im Sinne der Nachhaltigkeit bietet der Wandel zur Bio-Limonade?
Vor allem im Bereich der ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit kann viel getan werden. Durch den Verzicht auf Pestizide bei der Produktion werden Böden und Gewässer vor einer Überdüngung geschützt und die Biodiversität gefördert. Außerdem gibt es bislang keine deutsche Konkurrenz für Ginger-Beer oder Bio-Ginger-Beer. Bisher musste es also importiert werden. So kann durch eine Regionalisierung etwas zur Einsparung von CO2-Emissionen durch Transporte beigetragen werden.
Man könnte sagen, dass die soziale Dimension der Nachhaltigkeit dadurch greift, dass im Rahmen des Projekts ein neuer Arbeitsplatz im „grünen Bereich“ geschaffen wurden. Des Weiteren ist es bemerkenswert, dass ein Start-up mit begrenzten Ressourcen in diesen Bereich investiert. Ände GmbH zeigt, dass sich Wirtschaftlichkeit und ökologisches Engangement nicht ausschließen müssen.

Durch Verkostungen im Freundeskreis stellte sich heraus, dass es neben der klassischen Variante eine mildere und fruchtbetontere geben sollte.

Was empfiehlst du Firmen, die über eine Umstellung zu Bio nachdenken?
Die Zusammenarbeit mit den Zertifizierungsstellen läuft sehr angenehm. Deswegen empfehle ich den Kontakt frühzeitig zu suchen und sich während des Prozesses immer wieder beraten zu lassen.So ist Umstellung auf Bio eine gut zu bewältigende Herausforderung.
Außerdem können durch die Umstellung weitere Märkte erschlossen werden. Auch wenn die Preise für die Inhaltsstoffe etwas steigen, kann man das durch Skaleneffekte auffangen. So haben wir es geschafft, dass das Produkt für den Kunden den gleichen Preis behält. Dieses Ziel hatten wir uns vorher gesetzt. Das kam auch super beim Handel an und kann als Botschaft für andere Unternehmen verstanden werden.

Im nächsten Semester steht dann M3c „Prozessmanagement und -umsetzung“ an. Hierunter fällt bei deinem Projekt auch die Markteinführung. Gibt es hierzu schon erste Ideen?
Ich profitiere  sehr von der Vernetzung mit den anderen Studierenden. Auf das Projekt bezogen ist es beispielsweise so, dass ich eine Kommilitonin habe, die mit  Ernst & Young GmbH zusammenarbeitet. Über sie habe ich erfahren, dass dort eine interne kleine Plattform zur Förderung von Start-ups in Berlin existiert und dass interne Verköstigungen von neuen Produkten stattfinden. Diese Möglichkeit werden wir weiterverfolgen, da hier genau unsere Zielgruppe angesprochen werden könnte.
Das sind wertvolle Informationen, die durch den Austausch mit den anderen Kursteilnehmer, die alle unterschiedliche Hintergründe haben, geteilt werden.

Danke für diese Einblicke. Kommen wir nun noch einmal zu deinen Erfahrungen im Studium allgemein.
Bisher hast du die Module M1 „Kartierung von Nachhaltigkeit“, M2 „Nachhaltigkeitspositionierung in der beruflichen Praxis“,  M4 „Entwicklung einer robusten Nachhaltigkeitsstrategie“, M5 „Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie“ und M3a/3b „Nachhaltigkeitsprojekt“ belegt. Haben sich deine Erwartungen an die Weiterbildung bisher erfüllt?
Die Erwartungen wurden sogar übertroffen. Ich bin froh den Weg zurück zur Nachhaltigkeit im Beruf gefunden zu haben. Diese Ausrichtung war mir schon immer wichtig. Ich komme immer gerne nach Eberswalde zu den Präsenzveranstaltungen und ich mag den vielseitigen und bereichernden Austausch mit den anderen Teilnehmer*innen sehr.  Wie eben schon abgeklungen, sind viele unterschiedliche Disziplinen vertreten. Auch sonst ist die Gruppe bunt gemischt – zwischen Anfang 20 und Ende 50, sowie aus ganz Deutschland sind Studierende dabei, die sich gegenseitig Feedback geben. Das Netzwerk das sich hier entwickelt hat, schätze ich sehr.
Auch aufseiten der Professoren empfinde ich es so, dass es eine gute Mischung aus Praktikern und Theoretiker gibt. Es findet kein klassischer einseitiger Frontalunterricht statt, die Veranstaltungen sind methodisch interessant aufbereitet. Es besteht ein wirklicher Austausch.

Welche Module haben dich bis jetzt am meisten bereichert?
Beruflich gesehen natürlich das Modul M3 „Nachhaltigkeitsprojekt – Von der Idee zur Umsetzung“, so habe ich den Wiedereinstieg in den Beruf geschafft.
Das Modul 1 fand ich auch besonders gut. Es hat einen Überblick der Nachhaltigkeitslandschaft vermittelt und  war super für den Einstieg. Es entstand eine Idee davon, wo man mit seinen Möglichkeiten ansetzen kann und welche Rolle Nachhaltigkeit im operativen Geschäft von Unternehmen spielen kann.

Und zu guter Letzt: Was bedeutet „Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement“ für dich persönlich zum aktuellen Zeitpunkt?
Durch das Studium sind alle 3 Dimensionen der Nachhaltigkeit (ökologisch, sozial, ökonomisch) in meinen Fokus gerückt, vorher hat vor allem die ökologische Komponente eine Rolle für mich gespielt. Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement bedeutet für mich, diese 3 Dimensionen unter einen Hut zu bekommen, auch mit teilweise begrenzten Ressourcen, wie zum Beispiel bei Start-ups. Dahinter steckt die Frage, wie sich Nachhaltigkeit in die Unternehmenskultur integrieren lässt.

Vielen Dank für das Gespräch, Jonas Lackmann!

 

 

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