Freie Lastenräder für die Insel Föhr: Das M3-Projekt „Eilun-Klipper“

Das Modul 3 »Nachhaltigkeitsprojekt – Von der Idee zur Umsetzung« im berufsbegleitenden Studiengang »Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement « gibt den Studierenden die Möglichkeit über drei Semester hinweg ein eigenes Nachhaltigkeitsprojekt mit praktischer Umsetzung durchzuführen.

Paul Lardon kam auf die Idee sich für eine klimafreundliche Mobilität im ländlichen Raum, genauer gesagt auf der Insel Föhr, einzusetzen. Inspiriert durch ähnliche Projekte, die bereits vielfach im urbanen Raum umgesetzt wurden und nach der Idee der »Commons« wurde für die Insel Föhr ein erstes Lastenrad angeschafft. Dieses kann von Inselbewohner*innen kostenlos ausgeliehen werden.

Projektinitiator Paul Lardon (rechts) und Kai Becker, Nachhaltigkeitsmanager der Föhr Tourismus GmbH. © Föhr Tourismus GmbH/Anna Preißler

Wie bist du auf die Idee des Projektes „Eilun-Klipper“ gekommen und wieso konnte sich bei deinen vielfältigen Ideen gerade diese durchsetzen?

Gute Frage, die Entscheidung hat lange gedauert, um ehrlich zu sein. Ich hatte vor Beginn des Moduls entschieden, dass es ein Projekt außerhalb meiner bisherigen beruflichen Heimat, der Wasserwirtschaft, werden sollte. Das hat meine Suche definitiv nicht vereinfacht, da plötzlich gefühlt alles möglich war. Ich habe viel im Internet recherchiert, in Büchern z. B. zur Transition Town Bewegung und der Idee der Commons gelesen, viele Ideen skizziert, und Gespräche mit Kommiliton*innen zu möglicher Zusammenarbeit geführt. Irgendwo auf der Strecke ist die Idee entstanden etwas mit Fahrrädern zu machen. Das liegt nahe, da ich Fahrradfahren liebe und meine eigene Mobilität damit zu sehr großen Teilen bewältige. Maßgeblich geholfen haben mir die Seminare innerhalb des M3a-Moduls, in denen z.B. Erfolgsgeschichten als Vorbilder für die eigenen Projekte gemeinsam analysiert wurden. Besonders wichtig für mich war ein Seminar, in dem wir unsere persönlichen Treiber für die Durchführung des Projektes anhand der sog. Max-Neef Matrix untersucht haben. Das hat mir geholfen, zu verstehen welche Bedürfnisse das Projekt bei mir persönlich erfüllen soll und war Grundlage für meine abschließende Auswahl. Für mich standen hierbei die Idee des Teilens und Gemeinschaft an sich stark im Vordergrund. Die Idee der Freien Lastenräder kenne ich bereits aus meinem Wohnort Berlin, wo es ein großes Angebot dieser kostenlos nutzbaren und nach der Commons Idee entwickelte Lastenräder gibt (fLotte Berlin). Dass ich so ein Projekt auch selber machen könnte, habe ich erkannt als ich einen tollen Vortrag von einem der Mitbegründer von Kasimir, dem ersten Freien Lastenrad, im Internet fand.

Die Entscheidung mein Projekt auf der Insel Föhr zu starten hatte vor allem zwei Gründe. Zum einen lebt ein Teil meiner Familie dort und zum anderen finde ich es spannend, die Idee der Freien Lastenräder, die in großen Städten vielfach erfolgreich umgesetzt wurde, im ländlichen Raum zu testen. Hier bietet eine Insel einen tollen Versuchsraum. Da die Insel Föhr ein beliebtes Urlaubsziel ist, habe ich mir außerdem eine mögliche Strahlkraft des Projektes ausgemalt, was ein weiterer Grund für die Wahl war.

 

Weißt du wie gut das Angebot der Common Lastenräder auf Föhr bisher angenommen wird? Gibt es Konfliktpunkte?

Ich kann bei Interesse immer meinen tollen Projektpartner, der vor Ort ist fragen, oder selber auf der Webseite nachschauen. Wir sind dafür, dass es das Angebot erst seit etwas mehr als einen Monat gibt, sehr zufrieden. Es melden sich regelmäßig neue Nutzer*innen an und das erste Rad ist gleich zu Beginn viel ausgeliehen worden. Das zweite Lastenrad ist aktuell auch bereits in Vorbereitung, es wird durch eine private Spende eines gebrauchten Rades realisiert. Außerdem gab es schon eine Anfrage von einem Unternehmer auf der Insel, das sich auch vorstellen kann ein Rad zu spenden.

Mögliche Konfliktpunkte sehen wir definitiv darin, dass das Lastenrad zwar gerne ausgeliehen wird, aber das Verständnis dafür, dass nur weil es kostenlos ist, es leider nicht auch umsonst ist, nicht so groß sein könnte. Mit anderen Worten das Projekt lebt von Spenden. Da wird es in der kommenden Zeit spannend, wie erfolgreich wir beim Einwerben von Spenden sein werden.

Ein Lastenrad für Föhr. „Eilun“ ist das friesische Wort für Insel, „Klipper“ bezeichnet ein schnelles Fracht-Segelschiff des 19. Jahrhunderts. © Paul Lardon

Gibt es bereits konkrete Maßnahmen, mit denen die lokale Politik das Projekt unterstützt?

Das Projekt wurde großzügig mit Geldern der „Aktivregion Uthlande“, zu der die Insel Föhr gehört,  unterstützt. Hierbei handelt es sich um einen Regionalverein, der Projektinitiierung und -umsetzung zur Stärkung des ländlichen Raumes zum Ziel hat. Dieser wird durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums finanziert. Die Fördergelder wurden zur Anschaffung des ersten Lastenrades verwendet.

Ich habe das Projekt außerdem zusammen mit dem Nachhaltigkeitsmanager des öffentlich finanzierten Tourismus Unternehmens der Insel aufgebaut, das sich neben Fragen des Tourismus auch mit Themen des Insellebens, wie Radwegenetz und generell Mobilität beschäftigt. In gewisser Weise ist das Projekt also von Anfang an von der lokalen Politik mitgetragen worden. Darüber hinaus gibt es aktuell keine Unterstützung, das kann ja aber noch kommen. Wir sind bisher sehr stark nach der Devise „Show, don’t tell“ unterwegs gewesen und wollten erstmal etwas vorweisen können, um auf dieser Grundlage weitere wichtige Gespräche zu führen.

 

Mit welchen Mitteln wird versucht, das Projekt auf der Insel bekannt zu machen und wie werden die Menschen motiviert das Angebot zu nutzen?

Wir haben vor allem zum Anlauf des Verleihbetriebes die lokale Presse und Radiosender kontaktiert und Interviews gegeben. Ein weitergehendes Kommunikationskonzept gibt es bisher nicht, aber tatsächlich ist ein positives Wort von Nutzer*innen zu Freund*innen und Bekannten sehr viel wert, vor allem in einer so gut vernetzten Gemeinschaft wie auf der Insel Föhr. Wir werden uns aber sicher zum Beginn des Frühjahres eine Kampagne überlegen, denn im Winter wird das Rad wohl wegen des ungemütlichen Inselwetters viel stehenbleiben.

 

Welche drei wichtigsten Tipps würdest du anderen zum Starten eines eigenen Nachhaltigkeitsprojektes wie im Modul M3 mitgeben?

Ui, schwer. Die Unsicherheit der unbegrenzten Möglichkeiten aushalten, es lohnt sich. Sprecht mit euren Kommiliton*innen, das hat mir sehr geholfen. Nehmt euch nicht zu viel vor, denn ihr wollt das geplante Projekt möglichst ja auch umsetzen.

 

Was waren die größten Herausforderungen während des Projektes?

Die Ideenfindung oder besser die Auswahl des schlussendlichen Projektes habe ich als eine große Herausforderung erlebt. Danach ging es erstmal ziemlich gut von der Hand. Während der Umsetzung war es leider zeitlich oft schwer dranzubleiben. Da hat es mir geholfen ein überschaubares Projekt zusammen mit einem wirklich tollen Projektpartner, der mir zwischenzeitlich viel abgenommen hat, umzusetzen.

 

Was waren deine 3 Top-Learnings während der Projektphase?

Ehrenamt macht viel Spaß und bietet eine tolle grüne Wiese für Idealismus. Ein Projekt umzusetzen, hinter dem man voll steht, ist vielleicht am leichtesten. Projektmanagement ist leider wirklich hilfreich, ich würde gerne anderes sagen können, um mir damit viel Arbeit an Projektablaufplänen und Co. ersparen zu können.

 

Vielen Dank für das Interview Paul Lardon!

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