Die Automobilindustrie – Auf dem Weg in Richtung Nachhaltigkeit?

Durch den erhöhten Bedarf an effizienten Energiespeichern in Elektroautos steigt auch die Nachfrage der für diese Technologien verwendeten Rohstoffe, wie zum Beispiel Kobalt. Dieser wertvolle Rohstoff wird vor allem in den Minen des Kongo unter schlechten Arbeitsbedingungen abgebaut. Laut Amnesty International weist vor allem die Autobranche Defizite auf, wenn es um die Sorgfaltspflichten zur Offenlegung und Unterbindung von Menschenrechtsverletzungen geht. Dabei fehlt es vor allem an Transparenz gegenüber den Verbraucher*innen, denn die Informationen über die Arbeitsbedingungen bei den verschiedenen Rohstoffanbieter*innen werden oft verdeckt gehalten. Das Handeln im Sinne der Nachhaltigkeit kann dann schnell an Wert verlieren.

 

Das Hauptproblem sind die Lieferketten

Ein verworrenes Netz aus Organisationen der Wertschöpfung, die häufig nicht einsehbar sind und deren Ursprung nicht verfolgt werden kann.

Die Automobilindustrie erwartet, dass die Geschäfte in ihren Lieferketten verantwortungsvoll geführt werden. Problematisch wird es allerdings am äußersten Ende der Lieferkette, wo die Industrie weniger Sichtbarkeit, Kontrolle oder Einfluss hat. Heutzutage produzieren, verteilen und verkaufen nur wenige Unternehmen End-to-End-Produkte. Wertschöpfungsketten sind global. Dies bedeutet eine umfassende Lieferkette in der Automobilbranche und damit ein größeres Risiko für die „unbekannten Unbekannten“. Die Verfolgung der Rohstoffe zurück zu ihren Quellen ist schwierig. Dabei ist vor allem der Kontakt zwischen den Hersteller*innen von Produkten und den Rohstoffproduzent*innen als größte Hürde zu nennen. Änderungen, die seitens der Automobilindustrie verlangt werden, erreichen die Subunternehmen nicht, da es oft keine vertraglichen Verpflichtungen zwischen ihnen gibt.

 

Ziel ist es, eine bessere Übersicht zu erhalten

Der erste Schritt bei der Bewältigung der ethischen Risiken und der Umweltrisiken in jeder Lieferkette beginnt bei dem Verstehen des Problems und der Exposition der Branche. Aus diesem Grund hat die Branche beschlossen, Missstände in der Automobil-Lieferkette zu bekämpfen, indem sie in Initiativen wie Drive Sustainability, eine Partnerschaft zwischen 10 führenden Automobilunternhemen (BMW Group, Daimler AG, Ford, Honda, Jaguar Land Rover, Scania CV AB, Toyota Motor Europa, Volkswagen Group, Volvo Cars und Volvo Group), zusammenarbeitet.

Im Mittelpunkt dieser partnerschaftlichen Initiative stehen eine Reihe von Nachhaltigkeitsprinzipien zu Geschäftsethik,Umwelt, Arbeitsbedingungen und Menschenrechten. Basierend auf diesen Prinzipien arbeiten Unternehmen mit ihren Lieferant*innen zusammen, um ihre Abläufe zu verbessern.

In den letzten Wochen ging die Initiative einen Schritt weiter und richtete ein Rohstoff-Observatorium ein, in dem die Lieferketten der Automobilindustrie genau beobachtet werden, um Schwachstellen zu verstehen und die Rückverfolgbarkeit zu verbessern.

Nur durch das Aufdecken der Risiken innerhalb der komplexen Automobil-Lieferkette kann die Branche die notwendigen Lösungen identifizieren. Um sicherzustellen, dass diese Lösungen gut strukturiert und wirksam sind, hat die Industrie auch einen Dialog mit Interessenvertreter*innen, einschließlich politischen Entscheidungsträger*innen, Handelsverbänden und NRO aufgenommen, um Feedback zu ihren Maßnahmen zu sammeln. Basierend auf den Inputs der Stakeholder wird Drive Sustainability Anfang 2018 seinen Aktionsplan zur Bewältigung dieser Risiken vorstellen.

Es bleibt allerdings abzuwarten ob und wie sich die neuen Erkenntnisse aus den Lieferketten für die Vebraucher*innen und deren Umwelt bemerkbar machen. Kinderarbeit bleibt dennoch eine günstige Variante für den Abbau von Rohstoffen, vor allem in ärmeren Ländern. Deshalb fordert Amnesty International, dass alle kobaltverarbeitenden Unternehmen in der Lieferkette im Einklang mit den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und den Leitsätzen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für Minerale ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht erfüllen müssten. Die Initiative Drive Sustainability geht hier mit gutem Beispiel voran. Notwendig ist allerdings ein strikteres Vorgehen gegen Menschenrechtsverletzungen.

Wenn auch Sie mit ihrem Unternehmen in Richtung Nachhaltigkeit gehen wollen, dann schauen Sie sich unser „Berufsbegleitendes Qualifizierungsangebot“ doch mal genauer an.

 

 

 

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